Grünsfelder Fasenacht

Die genaue Geburtsstunde der Grünsfelder Fasenacht ist heute nicht eindeutig zu klären. Fest steht, dass in Grünsfeld schon lange vor 1900 Fasnacht gefeiert wurde und dass das Grünsfelder Fasnachtsbrauchtum im geschichtlichen Zusammenhang mit der fränkischen Fasnacht gesehen werden muss. Diese wiederum reicht in ihren Ursprüngen weit in das Mittelalter hinein und geht zum Teil sogar auf vorchristliche Frühjahrskulte zurück. Im Jahr 1570 sind vier "Fasnachtstäg" bezeugt. Oft spielte ein Spielmann dem "ehrbaren Rat" auf. Schüler traten in Aktion und spielten "Komedis" zu Ehren des Rates und konnten dafür ein Entgeld, meist in Brot und Wein, erwarten. Ein alter Brauch war, dass der Stadtpfarrer am Fasnachtssonntag dem Rat ein "Küchlein" verehrte. 1561 verzeichnet das Ratsprotokoll "eine Fröhlichkeit", bei der herrschaftliche Beamte und ehrbarer Rat gute Bürgschaft und Nachbarschaft pflegen wollen.

Am Nachmittag des Rosenmontags zogen Kinderscharen von Haustür zu Haustür und riefen "guri, gu". Als "Belohnung" bekamen sie früher Brote mit Griebenschmalz oder kleine fette Fleischstücke gereicht. In der heutigen Zeit veranstalten die "Hasekühle" am Rosenmontag eine Saalfasnacht für die kleinen Narren in der Stadthalle.

Am Fasnachtsdienstag wurden farbige Stoffbänder und farbige Papiermützen in einen grossen, schwarz angestrichenen Karton als Symbol für einen Sarg gelegt. Unter Wehklagen wurde dieser durch die Stadt getragen. Man hatte schwarze Kleidung angelegt, die Männer trugen Zylinder, die Frauen ein Kopftuch.
Am Stadtbrunnen fand mit einem Reisigbesen die Aussegnung statt. Dabei wurde ein närrischer Rückblick auf die nun "verreckende Fasnacht" gehalten. Bei dem Ausspruch: "Auf die nun verreckende Fasnacht" nahmen die Narren einen Schluck aus der Schnapsflasche, dem "Seelentröster", zu sich. Anschließend schritt man zum Verbrennen des Strohbären. Das erfolgte früher hoch oben über der Stadt auf der Lai, der ehemaligen Gerichtstätte. Hier wurden auch die ersten Strohfeuer zur Winteraustreibung gesetzt. Kinder trugen vorher Stroh zusammen, das eng gebunden zu einem ca. vier Meter hohen Strohbären gesetzt wurde. Dieses weithin sichtbare Lichtzeichen markierte den Beginn der Fastenzeit, in der Besinnung und Umkehr angesagt waren. Die Lai ist mittlerweile zum Wohngebiet geworden. Angesichts der engen Bebauung haben die Grünsfelder "Hasekühle" das Lichtzeichen am Schorren im Schlossbereich neu belebt. In der Neuzeit belegt ein Zeitungsbericht aus dem Jahre 1927 die traditionelle Grünsfelder Saalfasnacht mit Tanz und verweist auf den Sebastiansmarkt mit verkaufsoffenem Sonntag. In den 50er und 60er Jahren belebte man die Grünsfelder Saalfasnacht wieder. Federführend geschah dies unter dem damaligen Vorsitzenden des Kulturvereins, Edgar Weinmann, dem heutigen Ehrenpräsidenten der Narrengilde. Mit tatkräftiger Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Willi Bau erstellten die Hasekühle 1983 eine eigene Satzung und machten damit die Narrengilde zu einem eingetragenen Verein. nHannesHeute besinnen sich die Hasekühle alter Traditionen und beleben manche närrischen Symbole. So galt der Niedermeyer Hannes einst als Ordnungshüter, heute verkündet er bei der öffentlichen Inthronisation des Prinzenpaares vor dem historischen Rathaus die närrischen Ereignisse des vergangenen Jahres. Die Clown-Gruppe entstand 1998. Sie weist auf die ausgelassene Freude und den Frohsinn der Fasnachtsnarren hin.

Das Hasekühle ist die Symbolfigur der anGrünsfelder Narren schlechthin. Ihre Herkunft ist nicht eindeutig geklärt. Manche verweisen auf die karge Landschaft und die dürftige  Vegetation der umliegenden Berghänge, bei der sich die Kühe nur bis zu einer Größe von Hasen entwickeln können. Andere behaupten das Hasekühle sei das missratene Gesellenstück eines Grünsfelder Steinmetzlehrlings, der ein Kälbchen anfertigen sollte, es aber nur zu einem Wechselbalg aus Hase und Kuh brachte.

Im Jahr 2000 hauchte Vizepräsident Dieter Scheidel dem Hasekühle mit einem Maskenkostüm Leben ein. Eine entsprechende Maskengruppe ist noch im Aufbau begriffen. Der Fasnachts- und Komiteewagen symbolisiert die mit den Wehranlagen befestigte Stadt und erinnert an die Zeit, als Grünsfeld noch von den Fürstenhäusern Rieneck und Leuchtenberg regiert wurde.
Heinz Bernhardt